Diese Bedenken sind nachvollziehbar. Wir kommen selbst aus der Medizin und wissen, wie unterschiedlich die Menschen sind, denen Praxisteams tagtäglich begegnen. Wer seine Praxis digitalisiert, möchte also sein Team entlasten und gleichzeitig alle Patienten gut erreichen. Deshalb haben wir uns die Nutzung unserer Online-Rezeption genauer angeschaut. Wir wollten wissen:
Welche Rolle spielen ältere Menschen bei den Online-Anfragen, die täglich in den Praxen eingehen?
Die Auswertung von mehr als sechs Millionen Online-Anfragen zeigt: Menschen ab 60 nutzen diesen Kontaktweg längst. Und die Zahl ihrer Anfragen wächst stärker als die der jüngeren Altersgruppen.
Fast jede dritte Online-Anfrage entfällt auf Menschen ab 60
Für unsere Auswertung haben wir die Zeiträume Juli 2024 bis Juni 2025 und Juli 2025 bis Juni 2026 miteinander verglichen.
Im jüngsten Zeitraum entfielen 31,7 Prozent der ausgewerteten Online-Anfragen auf Menschen ab 60 Jahren. Fast jede dritte Anfrage kam damit aus dieser Altersgruppe. Berücksichtigt wurden dabei ausschließlich Anfragen von Erwachsenen.
Für Praxisteams, die viele ältere Menschen betreuen, ist das eine wichtige Erkenntnis: Auch im höheren Alter nutzen Menschen die Möglichkeit, ihre Anliegen online an die Praxis zu übermitteln.
Online-Anfragen nehmen bei den 70- bis 79-Jährigen am stärksten zu
Die Zahl der Online-Anfragen von Menschen ab 60 Jahren stieg innerhalb eines Jahres auf vergleichbarer Datenbasis um rund 45 Prozent.
Den größten Zuwachs verzeichneten die 70- bis 79-Jährigen mit 47,9 Prozent. Bei den 60- bis 69-Jährigen lag das Wachstum bei 44,2 Prozent, bei Menschen ab 80 Jahren bei 40,8 Prozent. Zum Vergleich: Bei den 18- bis 29-Jährigen nahm die Zahl der Anfragen um „nur“ 35,4 Prozent zu.
Damit gingen aus allen drei Altersgruppen ab 60 deutlich mehr Online-Anfragen ein als im Vorjahr. Der Anstieg war jeweils stärker als in den jüngeren Gruppen.
„Das hätte ich vorher nicht gedacht“
Auch 321 MED-Kunde Dr. Tammo Kunst hatte nicht damit gerechnet, wie selbstverständlich ältere Patientinnen seiner Frauenarztpraxis die Online-Rezeption nutzen würden. Seit der Einführung von 321 MED erlebt er, dass sie ihre Anliegen regelmäßig digital an sein Team übermitteln:
„Wir haben 70- oder 75-Jährige, die regelmäßig ihre Anliegen bei uns einbuchen. Das hätte ich vorher nicht gedacht.“
Seine Erfahrung zeigt, dass ältere Menschen einem digitalen Angebot durchaus offener gegenüberstehen können, als zunächst angenommen.
Erfahrungsbericht Wie Dr. Kunst die Online-Rezeption in seiner Frauenarztpraxis einsetzt und was sich dadurch für sein Team verändert hat →Der Anteil älterer Menschen an Online-Anfragen variiert je nach Fachrichtung
Zwischen den Fachrichtungen zeigen sich deutliche Unterschiede beim Anteil der Online-Anfragen von Menschen ab 60. Dabei spielt sicherlich auch die Altersstruktur in den jeweiligen Praxen beziehungsweise Fachrichtungen eine Rolle.
In der Kardiologie entfielen 49,1 Prozent der Online-Anfragen auf Menschen ab 60 Jahren – also nahezu jede zweite. In der Augenheilkunde waren es 40,4 Prozent, in der Urologie 39,0 Prozent. In der Radiologie lag der Anteil bei 34,3 Prozent, in der Orthopädie bei 32,4 Prozent und in der Allgemeinmedizin bei 25,2 Prozent.
Der digitale Zugang zur Praxis muss einfach und verständlich sein
Ein digitaler Kontaktweg sollte so gestaltet sein, dass ihn möglichst alle Menschen mit Internetzugang nutzen können – auch ohne viel Erfahrung mit digitalen Angeboten. Dafür braucht es verständliche Abläufe und möglichst wenige Hürden.
„Es hält sich hartnäckig die Annahme, ältere Menschen könnten oder wollten digitale Angebote von Arztpraxen nicht nutzen. Unsere Daten zeigen ein anderes Bild. Entscheidend ist nicht allein das Alter, sondern ob der digitale Weg zur Praxis einfach und verständlich gestaltet ist und den Patienten einen konkreten Vorteil bietet.“
Bei 321 MED heißt das konkret: Für die Online-Rezeption muss niemand ein Nutzerkonto erstellen oder eine App herunterladen. Sie ist direkt über die Praxiswebsite im Browser erreichbar. Wer ein Anliegen hat, kann es dort übermitteln, ohne sich vorher registrieren oder etwas installieren zu müssen.
Fazit
Unsere Datenauswertung sowie die Erfahrungen von Dr. Kunst und anderen Kolleginnen und Kollegen zeigen: Ältere Menschen nutzen die Online-Rezeption bereits regelmäßig. Wer über einen digitalen Kontaktweg nachdenkt, sollte sie deshalb von Anfang an mit einbeziehen.
Ausgewertet wurden mehr als sechs Millionen abgeschlossene Online-Anfragen mit erfasstem Geburtsjahr aus den Zeiträumen Juli 2024 bis Juni 2025 und Juli 2025 bis Juni 2026. Der Jahresvergleich beruht auf einer gleichbleibenden Praxenbasis.
Gezählt wurden Anfragen, keine einzelnen Personen. Anfragen von unter 18-Jährigen sind aus den Altersanteilen ausgeschlossen. Die Fachrichtungswerte beziehen sich auf Anliegen rund um Termine im jüngsten Auswertungszeitraum.
Die Ergebnisse beschreiben die Nutzung in den untersuchten Praxen, die 321 MED einsetzen. Ob beim Absenden Unterstützung durch Angehörige erfolgte, lässt sich daraus nicht erkennen.